Schuldenberge und Wolkenkratzer

Wenn man in diesen Tagen über den amerikanischen Etatstreit und der berüchtigten Schuldenobergrenze spricht, taucht immer wieder die Zahl 1,6 Billionen auf. Wieviel Nullen hat denn eine Billion? 11 oder 12? Für die Politiker, aber auch für den normalen Bürger sind diese Beträge nur leere Worte, hinter denen sich keine bildliche Vorstellung und schon gar kein Wertbewusstsein verbirgt. Müsste man Blöcke in der Höhe von Hochhäusern bestehend auf 100 Dollarscheine aufbauen, wie viele würden der astronomischen Summe von 1,7 Billionen entsprechen, 1 Wolkenkratzer, zwei Wolkenkratzer, eine ganze Stadt?

    Als das Phänomen Madoff aktuell war, der Fondsmanager der Tausende von Sparern prellte, konnte man sich den Schuldenberg von 50 Milliarden Dollar, den er geschaffen hatte, folgendermaßen vorstellen: eine Reihe von 7 Wolkenkratzer, bestehend eben aus 100 Dollarscheinen.

 

Graphisch interessant und anregend werden die amerikanischen Schulden im Blog http://herroter.blogspot.it/2012/04/amwerikanische-schulden.html dargestellt.

Solche grotesken Beispiele sollen helfen, uns eine ungefähre Idee über die Menge des zerflossenen Geldes zu geben, aber werden nicht weiter ernst genommen. Aber wie kann das menschliche Gehirn 1,7 Billionen tatsächlich fassen oder gar verstehen?


Wir haben einfach alle eine Schwäche beim schnellen Abzählen von Mengen! Nur weil wir selbst kein mathematisches Talent besitzen, meinen wir, dass es andere es mitbringen, wie Politiker, oder all die, die unser Geld verwalten oder gar mehren sollten. Aber die globalen Schuldenberge zeigen, dass die Unfähigkeit, hohe Geldbeträge geistig zu erfassen oder gar zu verwalten ein kollektives Problem ist.

 

Kaum ein Staat der keine Schulden hat, kaum ein Haushalt, der nicht von Ratenzahlungen oder Rückzahlungen betroffen ist, kaum eine Aktivität, kaum ein Start up, dass ohne Kreditvergabe zu verwirklichen wäre. Schulden zu machen, so scheint es, ist das Leitmotiv unseres Alltags.

 

Das Gehirn kann zwar mit hohen Geldbeträgen umgehen, wenn man lernt und übt, mit großen Zahlen zu jonglieren, zu rechnen und sich komplexe Rechenprogramme anschafft. Aber selbst dann ist man nicht von herben Geldverlusten und von Schulden gefeit. Warum? Weil es einfach nicht reicht, Geld mit Zahlen, egal hohe oder kleine, zu assoziieren. Irgendetwas fehlt: etwas was dem Gedanken an  Geld Leben verleiht.

 

Geld ist eben nicht nur eine Zahl, sondern etwas schwer definierbares, schwer fassbares. Daher ist es so wichtig, Geldbewusstsein, d. h. eigentlich Wertbewusstsein , jenseits vom mathematischen Verständnis zu entwickeln und zu üben. Ein paar Anregungen wie das geht findet ihr im Buch Geld, Geist, Glück: jeder ist seines Reichtums Schmied. von Irina Reylander

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